Bob Probert

Eine der beliebtesten und polarisierendsten Sportfiguren Detroits in den 1980er und 1990er Jahren

In den 80er und 90er Jahren entwickelten sich verschiedene Arten von Spielertypen im Eishockeysport. Zum einen gab es Torjäger wie Mario Lemieux oder Wayne Gretzky, zum anderen entwickelten sich Spieler die gelegentlich die Handschuhe fallen ließen. Es waren meist großgewachsene und starke Typen, die ihren Gegner mit den Fäusten ins Gesicht schlugen – solch ein Spieler war Bob Probert. 

Probert wurde 1983 von den Detroit Red Wings an der 46. Position des NHL Entry Draft gedraftet. Der Kanadier spielte für die Brantford Alexanders, Hamilton Seahawks und Sault Ste. Marie Greyhounds in der OHL (Ontario Hockey League). Dort führte er die Liste mit den meisten Strafminuten an und sicherte sich gleichzeitig zwei Spielzeiten mit über 70 Scorerpunkten (1983-84, 1984-85). Diese erfolgreiche Juniorenkarriere machte Bob zu einem attraktiven Kandidaten für die Scouts, die seine Zwei-Wege-Fähigkeiten auf dem Eis erkannten und bewunderten. 

Proberts NHL-Karriere begann in der AHL-Organisation der Detroit Red Wings, den Adirondack Red Wings. In seinen ersten 2 Spielzeiten war er abwechselnd für das AHL- und NHL-Team im Einsatz, bis er sich in der Saison 1986-87 einen festen Platz im NHL-Team sicherte. Probert verfehlte die hohen Erwartungen nicht und war beständig in seiner Fähigkeit, als einer der härtesten und aggressivsten Spieler auf dem Eis zu agieren. In der Saison 1987-88 erzielte Probert beispielsweise beeindruckende 388 Strafminuten. Oft von starken Schlägen und heftigen Kämpfen geprägt, definierte Proberts Spiel das Detroiter Hockey in dieser Zeitperiode. Berüchtigte Kämpfe mit Spielern wie Tie Domi, Wendel Clark, Donald Brashear und Stu Grimson führten dazu, dass Probert in der ganzen Liga für Aufsehen sorgte. 

Nach einer langen Karriere bei den Red Wings, lief 1994 Proberts Vertrag aus. Er war einer der am meisten erwarteten Free Agent Enforcer in der Liga und allen war klar, dass er bei seinem nächsten Team für großen Einfluss und Respekt sorgen würde. Am 15. Juli 1994 war Probert jedoch in einen Motorradunfall verwickelt, bei dem er leichte Verletzungen erlitt. Die Strafverfolgungsbehörden entdeckten, dass Probert betrunken war und fanden zusätzlich Spuren von Kokain in seinem Körper. Tage später weigerten sich die Detroit Red Wings öffentlich, Probert erneut unter Vertrag zu nehmen. Als Gründe für die Trennung wurden seine „Probleme“ angegeben.

Probert unterschrieb Tage später bei den Chicago Blackhawks. Zunächst entschied er sich aber für ein Reha-Programm, da die NHL vor einem Lockout stand. Er debütierte für das Team in der Saison 1995-96 und hatte auch bei den Blackhawks eine sehr ähnliche Rolle wie zuvor in Detroit. Bob führte mit Hunderten von Strafminuten die Saisons an und erzielte auf dem Weg dorthin beeindruckende Kampfsiege. 

Nach der Saison 2002/03 beendete Bob Probert als aktiver Eishockeyspieler seine Karriere. Da er als einer der beeindruckendsten und berüchtigtsten Enforcer der Liga in die Geschichte einging, wollte Probert zusätzlich zu seinem Hockey-Erbe ein ganz neues Leben beginnen. Die Realität sah jedoch anders aus. 

Ein kurzes Engagement bei den Chicago Blackhawks scheiterte. Bereits 2003 wurde berichtet, dass sich Bob Probert wegen seiner Süchte wieder in der Reha befand. In den Jahren 2004 und 2005 hatte Probert Begegnungen mit Strafverfolgungsbehörden, da er aggressive und körperliche Zusammenstöße mit Strafverfolgungsbeamten hatte. Obwohl die meisten Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, war es offensichtlich, dass mit Proberts Lebensweg etwas nicht stimmte. In den Jahren 2006 und 2009 trat Probert in verschiedenen Medien spärlich in Erscheinung, z.B. bei Zeremonien der Detroit Red Wings oder in kanadischen Fernsehsendungen. In seinen letzten Jahren arbeitete er mit der populären Hockey-Autorin Kristie McLellan Day an einer Memoirenarbeit. Dieses Buch wurde jedoch nicht zu Proberts Lebzeiten veröffentlicht, da er am 5. Juli 2010 an einem Herzinfarkt starb. 

Vier Tage später fand seine Beerdigung statt, die in der gesamten Sportart große Aufmerksamkeit erregte. Zu den Gästen bei Proberts Beerdigung zählten unter anderem Red Wings-Star Steve Yzerman, Red Wings-Geschäftsführer Ken Holland und die ehemaligen Kampfgegner Tie Domi und Stu Grimson. Yzerman hielt die Laudatio auf der Veranstaltung, der Probert als „sanften Riesen“ beschrieb. 

Nach seinem Tod wurde Proberts Buch von HarperCollins: „Tough Guy – My Life on the Edge“ veröffentlicht. Desweiteren forschte ein Jahr nach seinem Tod die Universität Boston mit Erlaubnis seiner Familie an Proberts Gehirn. Die Universität fand heraus, dass Probert eines der frühesten Beispiele eines verstorbenen Spielers der NHL mit CTE (chronischer traumatischer Enzephalopathie) war. Einer Krankheit die durch wiederholte Schläge auf das Gehirn verursacht wird, ein passendes Ergebnis von Proberts typischem Spielstil. 

Als am 9. April 2017 das letzte Spiel der Detroit Red Wings in der Joe Louis Arena stattfand, verstreute nach dem Spiel die Witwe Dani Probert seine Asche in der Strafbank der Red Wings. Seine Familie ist nach wie vor unverblümter Befürworter der CTE-Forschung und gut mit dem Detroit Red Wings Franchise verbunden. 

Für die Fans von physischen Hockeyspielern, Enforcern und Kämpfern – war Probert ein revolutionärer Spieler. Seine Härte und Aggressivität waren beispiellos und verliehen seiner Karriere ein Flair, wann immer er das Eis betrat. Seine Karriere bleibt eine der interessantesten Geschichten des Eishockeysports. 



Kategorien:Forever a Red Wing

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